Lexikon

 

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8', 4' usw. Sprich „Acht Fuß“ usw. Siehe Fußtonlage.
Altus Der Begriff ist mehrdeutig, im musikalischen Zusammenhang bezeichnet er einen Sänger, der in hohen Tonlagen singt, die normalerweise von Frauenstimmen bedient werden, auch die entsprechende Stimmlage. Hierbei benutzt er in erster Linie die Falsettstimme, jedoch nicht ausschließlich. Geläufiger ist der Begriff Countertenor. Viele Altisten legen Wert auf eine Abgrenzung zum Countertenor. Hierzu ein Zitat (Quellenangabe am Ende des Artikels): „Es gibt Versuche, zwischen Countertenor und Altus zu unterscheiden, z. B. nach den eingesetzten Anteilen von Brust- und Kopfresonanz, aber die vorhandenen Sänger weisen eine derart hohe Individualität auf, dass eine solche Differenzierung fragwürdig erscheint. Die Bezeichnung Altus bezieht sich mehr auf die Lage der notierten Stimme, der Begriff Countertenor auf die verwendete Technik beziehungsweise den Sänger, der diese Technik benutzt. Die genaue Erklärung und eine erschöpfende Theorie für die Stimmtechnik der Countertenöre steht noch aus.“ In gewisser Weise ist die Diskussion auch müßig, da die Falsettstimme wie im Zitat erwähnt individuell ist wie jede andere auch. Oft übernehmen diese Sänger sogenannte Kastratenrollen (auch Hosenrollen genannt, siehe auch de.wikipedia.org). Obgleich der Klang des Altisten oder Countertenores sich von dem des Kastraten unterscheiden dürfte (es gibt zu Vergleichszwecken nur wenige Aufnahmen des letzten Kastraten vom Anfang des 20. Jahrhunderts in der damals möglichen Qualität), wird dies der betreffenden Musik meist besser gerecht als die im frühen und mittleren 20. Jahrhundert und auch heute noch praktizierten Besetzung der betreffenden Partien durch Frauen. Das Repertoire der Sänger beschränkt sich aber nicht auf Opernpartien, sondern umfasst auch Liedliteratur verschiedenster Art, oft in transponierten Fassungen für die verschiedenen Stimmlagen, wie es bei Sängern aller Genres gebräuchlich ist.
Quelle des obigen Zitates: Matthias Echternach und Bernhard Richter, Falsett - stimmwissenschaftliche Untersuchungen. In: Corinna Herr, Arnold Jacobshage, Kai Wessel (Hg.) Der Countertenor, die männliche Falsettstimme vom Mittelalter zur Gegenwart, S. 56, Schott, Mainz 2012, im Artikel Countertenor auf de.wikipedia.org (Oktober 2013).
Balgtreter Siehe Calcant.
Becken (Musik) Teil des Schlagzeuges, der Perkussion. Runde, speziell profilierte Metallscheiben; Verwendung paarig, dann gegeneinander geschlagen oder gestrichen, oder einzeln, dann mit verschiedenen Schlegeln (Trommelstöcke, "Besen" und andere) angeschlagen oder gestrichen, was verschiedene Klänge erzeugt. Im Unterschied etwa zum Gong unbestimmte Tonhöhe (akustisch gesehen kein Ton, sondern ein "Geräusch"). In den Kinoorgeln aus der Stummfilmzeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren praktisch immer ein oder mehrere Beckeninstrumente vorhanden, die der Organist vom Spieltisch aus bedienen konnte. Durchaus vergleichbar sind die Zimbelsterne, die besonders bei Barockorgeln beliebt waren, jedoch eher selten erklangen (zu Weihnachten, zu besonderen Festtagen), während von den von einem Musiker live an der Kinoorgel begleiteten Stummfilmen wohl kaum ein Film ohne einige Beckenschläge auskam. Im Grunde haben wir alle schon Becken gespielt: Nämlich als Kinder, wenn wir zwei (metallene) Topfdeckel gegeneinanderschlugen.
Cassotto Das Cassotto ist eine besondere, recht aufwändige Bauart eines Akkordeons bei hochwertigen Instrumenten, in der Regel nur im Diskant. Ein Teil der Zungen liegt in einem zusätzlichen Raum, der eine Klangveränderung bewirkt, die oft als "Veredelung" empfunden und bezeichnet wird. Obertöne werden teilweise abgeschwächt, der Grundton verstärkt. Die genauen physikalischen Vorgänge sind nicht abschließend geklärt; wie bei allen akustischen (und auch manchen analog basierten elektronischen) Instrumenten ist die Faszination des Klanges sehr individuell und von Instrument zu Instrument verschieden; selbst technisch baugleiche Exemplare klingen nicht identisch. Ähnliche Effekte haben Konstruktionen wie das sogenannte Klingenthaler Cassotto (welches kein echtes Cossotto darstellt), bei dem alle Register von dem Effekt betroffen sind, wodurch die aufwändige und wartungs-, speziell stimmunfreundliche Bauweise im Inneren vermieden wird. Legendär sind verschiedene Instrumente von Scandalli (ursprünglich Italien), bei denen am Diskantgehäuse außen runde, silberfarbene Klappen angebracht sind, die vom Akkordeonisten während des Spiels in Sekundenbruchteilen geschlossen und geöffnet werden können und dadurch cassottoähnliche Klangfarbenveränderungen beziehungsweise die Rückkehr zum "Normalklang" bewirken. Auch hier sind alle Diskantstimmen betroffen. Das Öffnen und Schließen der Klappen bei diesen Akkordeons bietet auch einen gewissen Show-Effekt für das Publikum. Die Firma Hohner baute auch eine Melodika mit Cassotto; die Produktion wurde nach Kenntnis des Autors jedoch eingestellt.
Calcant Auch Kalkant, Balgtreter, von lateinisch calcare=treten. Vor Einführung elektrischer Gebläse unabdingbar, um die Orgel mit Wind zu versorgen. Je nach Größe des Instrumentes wurden ein bis zehn und mehr Calcanten benötigt. Die Schöpfbälge wurden manchmal mit den Händen gefüllt, meist aber, besonders bei größeren Instrumenten, mit dem Körpergewicht durch abwechselndes Hinauf- und Hinabsteigen auf/von einen/m stabilen Hebel. Bei den älteren Keilbälgen ohne Magazinbalg wurden diese "aufgezogen" und schlossen sich durch Gewichte oder Federkraft, wodurch sie den Winddruck erzeugten.  Sehr kleine, pedallose Positive wurden und werden häufig vom Spieler selbst über mit den Füßen (bei kleinsten Portativen auch mit einer Hand) zu bedienende Schöpfbälge, ähnlich wie bei Harmonien, mit Wind versorgt. Auch gab es bei solchen kleineren Instrumenten Riemenanlagen, die der Calcant durch abwechselndes Ziehen bediente ("Balgzieher"); hierzu sagte man scherzhaft "die Orgel melken". Damit der/die Calcant(en), der/die oft keinen Blickkontakt zum Organisten oder in die Kirche hatte(n), manchmal sogar sehr entfernt auf dem Dachboden arbeiteten, wussten, wann Wind benötigt wurde, hatten die meisten Orgeln eine Glocke in der Nähe des Balges, die der Spieler von seinem Platz aus mit einem Zug bedienen konnte, der meist wie die anderen Registerzüge gestaltet war. Dieser Zug ist an vielen historischen Orgeln bis heute erhalten. Auch die Balgtreteranlage ist relativ oft noch vorhanden und würde theoretisch - sofern funktionstüchtig - auch bei Stromausfall ein Spiel erlauben. Dies kommt in der Praxis allerdings kaum vor.
Captcha Captchas sind ein Versuch, im elektronischen Datenverkehr Menschen von Computern zu unterscheiden, um den Missbrauch von Postfächern zum Beispiel durch automatisierte Werbenachrichten zu vermeiden. Hierzu werden kleine Aufgaben gestellt, die für Menschen eher einfach, für Computer jedoch eher schwierig zu lösen sind. Grafische Captchas zeigen oft verzerrte Zeichenfolgen. Eine andere Form sind für Menschen einfache Fragen wie zum Beispiel „Wie viele Beine haben drei Hunde insgesamt?“. Auf www.orgel-in-bunt.de findet sich ein Captcha am Ende des Kontaktformulars.
Cembalo Ein Cembalo ist ein besaitetes Tasteninstrument, bei dem die Saiten gezupft werden und das dadurch einen hellen, vom Klavier, bei dem die Saiten mit Hämmerchen angeschlagen werden, deutlich unterscheidbaren Klang erzeugt. Ein ausführlicher Artikel hierzu findet sich bei de.wikipedia.org. Jedoch sollten einige Aussagen zum modernen Cembalobau in diesem Artikel hinterfragt werden (Stand Oktober 2013). Die Ansicht, dass es sich bei Cembali historischer und moderner (im Sinne der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts) Bauart um zwei grundsätzlich verschiedene Instrumente handelt, ignoriert die geschichtliche Entwicklung; genauso könnte man eine „Stradivari“ als grundsätzlich anderes Instrument als eine moderne Violine bezeichnen. Freilich sind Klang und Spielart durchaus unterschiedlich, jedoch handelt es sich eher um eine enge Verwandtschaft wie zwischen dem Hammerflügel des 18. und 19. Jahrhunderts und unserem heutigen Flügel. Wenn in dem genannten Artikel von einem orgelartigen Klang die Rede ist, ist dies grundsätzlich falsch, da der Orgelton ein gehaltener, der Cembaloton unabhängig von der Bauweise ein verklingender ist. Selbstverständlich hat die historische Bauweise ihre Berechtigung, oft entstehen so ausnehmend schöne Instrumente, jedoch sollte dies nicht überbewertet und nicht übertrieben werden. Beispielsweise bieten moderne Materialien häufig bessere Zuverlässigkeit in der technischen Funktion, Tonumfänge sollten bei Nachbauten nach alten Vorbildern sinnvollerweise angepasst werden, da sich die spielbare Literatur dadurch beträchtlich erweitern kann. Beispiele für eine sinnvolle Anpassung eines historischen Vorbildes an die heutige Musizierpraxis sind das Cembalo Modell Hass aus dem Hause Neupert, aus dem Bereich des Orgelbaus die Orgel in der Kirche zur Heiligen Dreieinigkeit in Schmiedeberg / Osterzgebirge
Chor, -chörig (Für Herkunft und weitere Bedeutungen siehe auch den Artikel bei de.wikipedia.org)
● Bei der Orgel: Bezeichnung für Registergruppen gleicher oder ähnlicher Bauart und daher auch ähnlichen Klanges. Technisch gesehen hat dies für das Spiel und die Registrierung keine Bedeutung (ausgenommen Sonderbauformen, zum Beispiel Multiplexsysteme; die Begriffsbestimmung bezüglich der Orgel bei de.wikipedia.org ist meines Erachtens nicht ganz zutreffend [Stand Oktober 2013]). Von der klanglichen Ästhetik ist die Handhabung der verschiedenen Registergruppen beim Registrieren durchaus Ansichts- und Geschmackssache, letztlich sollte immer das Ohr entscheiden. Parallel zur Bezeichnung „-Chor“ ist die Alternative „-Satz“ gebräuchlich, oft zum Beispiel Zungen“satz“ statt Zungen“chor“.
● Beim Akkordeon: Eine Stimmzungenreihe (jede Reihe erzeugt einen Ton je Taste) auf der Bass- oder Diskant- ("Melodie-") Seite. Im Diskant sind drei bis fünf Chöre verbreitet, im Bass vier bis fünf; mehr oder weniger selten. Die Bezeichnung beispielsweise „dreichörig“ bezieht sich beim Akkorden in der Regel auf den Diskant, wird aber auch für den Bass verwendet. Dabei weisen Bass und Diskant oft unterschiedliche Chorzahlen auf, häufig ist bei großen Instrumenten zum Beispiel ein vierchöriger Diskant mit fünfchörigem Bass.
● Auch bei besaiteten Instrumenten wie Laute, Cembalo, Klavier und so weiter wird manchmal von Chörigkeit gesprochen, jedoch werden darunter oft verschiedene Sachverhalte verstanden, was die Bezeichnung bei diesen Instrumenten eher verwirrend macht.
Countertenor siehe Altus
Disposition Bezeichnet bei der Orgel, wie viele und welche Register vorhanden sind und wie diese auf Manual(e) und Pedal verteilt sind. In der Regel wird die Disposition für jedes Instrument und den jeweiligen Raum individuell entwickelt, was im besten Falle auch die Pfeifenmensuren einschließt; es gibt allerdings auch Baukastensysteme, die jedoch die Möglichkeiten der Anpassung an den Raum einschränken und - teilweise zurecht - nicht den besten Ruf genießen. Die Anzahl der Register ist sehr unterschiedlich, die folgenden Angaben sind daher nur als Richtwerte zu verstehen. Auch bei sehr kleinen einmanualigen Instrumenten beträgt die Anzahl der Register selten weniger als vier, bei zweimanualigen meist zwischen 12 und 30, bei dreimanualigen bis um die 40 oder etwas mehr, wobei sich auch dreimanualige Instrumente mit wenig mehr als 20 Registern finden. Deutlich größere Orgeln sind im Vergleich zum Gesamtbestand eher selten anzutreffen, allerdings genießen diese oft einen höheren Bekanntheitsgrad. Bei der Planung bezüglich der Disposition sind besonders die Größe des Raumes und seine Eigenheiten zu beachten, und nicht zuletzt spielen die finanziellen Möglichkeiten des Auftraggebers eine Rolle. Allerdings kann man die Sinnhaftigkeit von Registerzahlen im hohen zweistelligen oder gar dreistelligen Bereich - von außergewöhnlich großen oder besonders bedeutenden Räumen abgesehen - aus künstlerischer und praxisorientierter Sicht durchaus bezweifeln. Findet sich ein gut ausgebauter Zungensatz, kann sich die sinnvolle Registerzahl dabei erhöhen. Die größte Orgel der Welt mit 357 Registern steht laut de.wikipedia.org in einem Kaufhaus in Philadelphia (USA).
Fußtonlage Die Fußtonlage bezeichnet, welchen Ton eine Pfeife im Verhältnis zur zugehörigen Taste tatsächlich erzeugt. Dabei erklingt bei einem 8'- (sprich “Acht-Fuß“) Register genau der Ton der zur Taste gehört, bei 16' eine Oktave tiefer, bei 4' eine Oktave höher usw. Die Bezeichnung rührt daher, dass eine offene Labialpfeife des tiefsten Tones (großes C) etwa acht Fuß, also knapp 2,5 Meter lang ist. Verbreitet sind Register von 16' bis 1', wobei es nicht nur verschiedene Oktavlagen, sondern auch Terz-, Quint- usw. sowie gemischte Register gibt; 32', 10 2/3' und besonders (echte) 64' finden sich selten. Die allermeisten Orgeln, auch sehr kleine Positive, verfügen über Register verschiedener Fußtonlagen. Ausnahmen finden sich unter anderem bei allerkleinsten Hand-Portativen nach antikem oder mittelalterlichem Vorbild. Viele Cembali und alle Akkordeons verfügen ebenfalls über Register verschiedener Fußtonlagen; beim Akkordeon ist die Fuß-Bezeichnung jedoch unüblich.
Harmonium Ein ausführlicher Artikel hierzu findet sich bei de.wikipedia.org. Was bei diesem Artikel nicht ganz klar wird ist, dass Harmonien meist in einer Art Multiplexsystem gebaut sind, was unter anderem zu dem oft kritisierten eher dünnen, in den Klangfarben wenig nuancenreichem Klang beiträgt. Das Instrument polarisiert sehr zwischen Liebhabertum und völliger Ablehnung.
Kalkant Siehe Calcant.
Kinoorgel Orgelinstrument zum Begleiten eines Stummfilms im Kino. Die Orgeln waren meist nach dem Multiplexsystem gebaut, um mit möglichst geringem Aufwand ein breites Klangspektrum zu bieten. Hinzu kamen je nach Größe des Instrumentes zahlreiche musikalische wie im engeren Sinne nicht musikalische Klang- und Geräuscheffekte wie Pauken, Trommeln, Becken, Autohupen, Meeresrauschen, Regen, Gewitter, Vogelgezwitscher, Telefonklingeln, Glocken und viele mehr, welche vom Organisten am Spieltisch durch Schalter und Fußtritte zusätzlich zum eigentlichen Orgelpiel bedient wurden. In der Regel wurde vermutlich improvisiert, aber auch komponierte Stücke wurden gespielt, oft willkürlich ausgewählt (etwa Ragtimes zu Slapstickfilmen). Speziell komponierte, schriftlich festgehaltene Stück dürften in der Praxis die Ausnahme gewesen sein. Der Spieltisch war so positioniert, dass der Organist den Film auf der Leinwand mitverfolgen konnte. Mit dem Beginn des Tonfilmzeitalters wurden viele Instrumente abgerissen, so dass angesichts der Vielzahl der gebauten Instrumente sind nur wenige erhalten sind. Ein vorbildlich restauriertes Instrument steht im Grassimuseum Leipzig. Alternativ wurden Stummfilme oft auch am Klavier begleitet.
Kleinorgel Siehe Positiv
Kollektivtritt, Kollektivzug siehe Kombination
Kombination Eine Registrierung, die durch die Bedienung eines einzigen Bedienelementes (Drücker, Wippe, Fußtritt usw.) eingestellt werden kann, was schnelle Wechsel der Klangfarbe und Dynamik (Lautstärke) ermöglicht. Es gibt feste Kombinationen, die meist charakteristische Bezeichnungen tragen wie Tutti, Forte, Piano usw., verwandt sind An-/ Absteller für bestimmte Registergruppen, zum Beispiel Zungen Ab/An. Diese werden auch Kollektivzug- bzw. Tritt genannt. Feste Kombinationen werden beim Bau vom Orgelbauer und/oder dem Organisten oder sonstigen Beteiligten festgelegt und sind später beim praktischen Spiel nicht veränderbar. Freie Kombinationen dagegen kann der Organist selbst zusammenstellen und somit Registrierungen eines Stückes oder sogar eines ganzen Dienstes oder Konzertes vorbereiten (daher auch Vorbereitung genannt). Letzteres ist durch rechnerbasierte Setzerkombinationen bei elektrischer Registertraktur vergleichsweise unkompliziert möglich, die in der Anzahl praktisch unbegrenzt erstellt werden können; 512 oder 1024 hiervon sind an modernen Orgeln durchaus üblich; über den künstlerischen Sinn des Letzteren kann man allerdings genauso streiten wie über übertriebene Registerzahlen. Eine seit der Einführung der pneumatischen Traktur im 19. Jahrhundert verbreitete Form der Kombination ist das Crescendo, bei der über einen Balanciertritt oder eine (Fuß-)Walze (deshalb umgangssprachlich oft auch so genannt), bei der die Register von einem oder ganz wenigen bis zum Tutti nach und nach zu- bzw. "rückwärts" abgeschaltet werden. Auch das Crescendo findet man sowohl fest voreingestellt als auch vom Organisten wählbar.
Labialregister Labial- oder Lippenpfeifen stellen bei den allermeisten Orgeln die Mehrzahl der Register, oft sind auch nur solche Pfeifen vertreten (Ausnahmen bilden lediglich sogenannte Regale, die nur mit Zungenstimmen ausgestattet sind.). Die Tonerzeugung erfolgt wie bei einer Blockflöte am Labium, einer scharfen Kante oder Lippe, an der sich die Luft bricht und dadurch in Schwingung gerät. Ähnlich funktioniert auch das Blasen auf einer mehr oder weniger mit Wasser gefüllten (Bier-) Flasche. Material und Bauart der Pfeifen beeinflussen Klang und Lautstärke, die Größe die Tonhöhe, so dass sich sehr viele Klangfarben erzeugen lassen, obwohl das Grundprinzip der Tonerzeugung immer gleich ist. Im Prospekt stehen oft Prinzipalpfeifen mit ihrer charakteristischen Form als „Orgelpfeife schlechthin“. Ein Beispiel ist die Orgel in der Kirche zur Heiligen Dreieinigkeit in Schmiedeberg / Osterzgebirge
Lautenzug Bei vielen Cembali und manchmal bei Spinetten eine Einrichtung zur Variation des Klanges. Dabei wird Filz oder ein ähnliches Material auf die Saiten gedrückt, wodurch sich ein gedämpfter, lauten- oder auch gitarrenartiger Klang ergibt.
Manual Die Tastatur für die Hände wie beim Klavier. Der Tonumfang ist deutlich geringer als beim Klavier, meist viereinhalb bis fünf Oktaven, bei älteren Instrumenten oft nur wenig mehr als vier. Meistverbreitet sind Orgeln mit zwei bis drei Manualen, kleine Instrumente oft auch mit nur einem Manual; vier und mehr Manuale treten eher selten auf. Große Cembali verfügen oft auch über zwei Manuale, ebenso gab es Harmonien mit zwei Manualen. Beim Solobass-Akkordeon wird dieser gelegentlich als M III = Manual III bezeichnet.
Multiplexverfahren ● Ein Verfahren, bei dem eine einzige Klangquelle (zum Beispiel Orgelpfeife) für verschiedene Funktionen benutzt wird. Beispielsweise kann im Extremfall eine einzige Prinzipalpfeife als 32-, 16-, 8-, 4-, 2- und 1'-Register und eingeschränkt sogar etwa als Quintstimme für eine einzige Taste benutzt werden. Die Nachteile dieses Verfahrens sind ein dünner, abwechslungsarmer und unausgewogener Klang durch Mensurfehler, Stimmungsprobleme (bei so erzeugten Aliquotstimmen) und Mehrfachbelegungen der Pfeifen. Vorteile sind – teils erhebliche - Platz- und Kostenersparnisse. Das Verfahren wurde in verschiedener Ausprägung oft bei den sogenannten Kino-Orgeln Anfang des 20. Jahrhunderts verwendet, die der Begleitung von Stummfilmen dienten. Reine Multiplexorgeln sind selten. Geschickt eingesetzt kann das Verfahren bei eingeschränkten Platzverhältnissen oder geringem finanziellen Budget die klanglichen Möglichkeiten eines Instrumentes durchaus vorteilhaft erweitern. Zu bevorzugen sind jedoch, wenn immer möglich, echte Register. Die Grenzen zwischen sinnvollem und „inflationärem“ Einsatz des Verfahrens sind aus künstlerischer Sicht fließend und oft auch eine Frage des Geschmacks; weniger, dafür echte Register können aus diesem Blickwinkel auch ein Gewinn sein. Harmonien sind meist im Multiplexverfahren gebaut, bei Akkordeons und Cembali tritt dies nach Kenntnis des Autors dagegen nicht auf.
● Samplebasierte elektronische Instrumente aller Art sind in aller Regel ebenfalls mehr oder weniger mit Multiplexelementen gebaut, einen Hinweis hierauf wird man meist jedoch vergeblich suchen (ausgenommen, dies ist ausnahmsweise nicht der Fall, dann wird der Hersteller gern mit dieser Tatsache werben). Hierzu zählen beispielsweise Digitalpianos, MIDI-Geigen und ähnliches beziehungsweise deren Klangmodule (sogenannte Expander). Für elektronische Instrumente mit analoger Klangerzeugung trifft dies teilweise zu. Elektrisch verstärkte Instrumente, beispielsweise Elektrogitarren, zählen nicht in diese Gruppe.
● Ein Beispiel für einen gelungenen Einsatz von Multiplexelementen ist die Orgel in der Kirche Sankt Josef in Dresden, ein klanglich sehr schönes, durch die beengte Bauweise jedoch leider schwierig zu spielendes Instrument.
● Dem Multiplexverfahren verwandt sind Transmissionen (Orgel, auch Cembalo), Wechselschleifen und Vorabzüge (Orgel). In diese Gruppe gehören auch Orgelpfeifen,
die mehrere Töne erzeugen können, gelegentlich im Pedal verwendet, sowie Bassregister, bei denen tiefe Töne als Kombinationstöne (praktisch das Gegenstück zu den Obertönen) zweier höherer Pfeifen (auch aus schon vorhandenen Registern) erzeugt werden, in der Regel durch Quinten: großes C + großes G ergibt Kontra-C.
Negativ (Fotografie/Film) (Zum Zitat der Woche vom 21. März 2016.) Bei der klassischen Fotografie auf einem Film mit lichtempfindlichen Schichten das auf diesem erzeugte Bild, das die Helligkeitsstufen des durch das Objektiv einfallenden Lichtes genau umgekehrt darstellt (hell wird dunkel, dunkel hell usw.). Bei der Herstellung des Papierbildes („Abzug“) erfolgt dieser Prozess umgekehrt, so dass das „richtige“ Bild entsteht. Bei Farbbildern ist das Prinzip ähnlich. Durch Digitalkameras wurde das Verfahren in vielen Bereichen verdrängt, hat aber nach wie vor seine Anhänger, besonders im künstlerischen Bereich und bei Kinofilmen.
Pedal Bei der Orgel die Tastatur, die mit den Füßen gespielt wird. Sie ist wie das Manual (also wie beim Klavier auch) aufgebaut, nur größer und deshalb mit einem geringeren Tonumfang; in der Regel etwas mehr als 2 Oktaven. In der Barockzeit gab es Cembali mit Pedal als Übungsinstrumente (technisch gesehen meist eine Kombination aus zwei Instrumenten); auch Pedalklaviere sind überliefert (nicht zu verwechseln mit den heutigen zwei bis drei Pedalen am Klavier, die eine gänzlich andere Funktion haben). Auch Harmonien wurden manchmal mit Pedal ausgestattet.
Portativ Siehe Positiv
   
Positiv

● Eine kleine, mehr oder weniger transportable Orgel. Die Übergänge zum noch kleineren Portativ und zur größeren Kleinorgel sind fließend, weshalb alle drei hier zusammengefasst sind. Portative und Positive zeichnen sich dadurch aus, dass sie über ein eigenes, vom Raum unabhängiges Gehäuse verfügen und frei aufgestellt werden können. Üblicherweise ist dies auch bei Kleinorgeln der Fall, jedoch sind hier wiederum die Grenzen zur fest eingebauten Orgel fließend. Portative sind normalerweise durch zwei (oft auch eine) Personen zu transportieren, ohne im eigentlichen Sinne demontiert werden zu müssen, zu diesem Zwecke sind diese manchmal modulartig zerlegbar. Der Transport oder die Umsetzung eines Positives erfordert dagegen oft schon einen gewissen Aufwand. Die Registerzahlen sind sehr unterschiedlich, bei Portativen – ausgenommen allerkleinste durch den Spieler selbst tragbare Instrumente nach antikem oder mittelalterlichen Vorbild - und Positiven meist ab drei, bei Kleinorgeln bis in den zweistelligen Bereich. Eine besonders kompakte und transportfreundliche Bauweise sind Truhenorgeln, die im Verhältnis zu Ihrer Größe oft erstaunliche Möglichkeiten bieten. Portative sind ausnahmslos ohne Pedal gebaut, Positive oft ebenso, manchmal aber mit einem angehängten, selten einem eigenständigen Pedal. Bei Portativen fast immer, bei Positiven häufig, betätigt der Spieler mit den Füßen die Schöpfbälge für die Versorgung der Windanlage. Kleinorgeln verfügen in der Regel über ein eigenständiges Pedal mit wenigen Registern, manchmal auch nur mit einem einzigen (dann meist eine als Subbass bezeichnete gedeckte 16'-Reihe).
● Bei nach dem Werkprinzip gebauten Orgeln wird der Begriff auch für Teilwerke verwendet, zum Beispiel Rückpositiv für ein Fernwerk hinter dem Rücken des Organisten oder als neutrales Synonym für Brust- oder Oberwerk speziell bei kleineren Instrumenten. Im französischen Orgelbau ist die Bezeichnung Positif für ein Teilwerk sehr verbreitet.
● siehe auch Regal

Prospekt Die Schauseite der Orgel, also das was man vom Raum aus sieht. Er besteht in der Regel aus der gestalteten Vorderseite des Gehäuses, in dem die sichtbaren sogenannten Prospektpfeifen stehen. Dies sind meist klingende Pfeifen (oft Prinzipale), selten sind stumme Pfeifen, die nur zur Zierde oder gelegentlich aus technischen Gründen eingebaut werden. Die Gestaltung des Prospektes kann je nach Zeitgeschmack sehr unterschiedlich sein. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden häufig auch Orgeln ohne eigentliches Gehäuse gebaut; teils aus Kostengründen, aber auch aus dem damaligen ästhetischen Verständnis heraus. Trotzdem spricht man auch hier meist vom Prospekt. Einen ausführlichen Artikel mit vielen Bildbeispielen gibt es bei de.wikipedia.org. Sehr selten sind praktisch unsichtbare Orgeln, die komplett hinter einer Verkleidung stehen und und vom Raum aus kaum zu erkennen sind. Ein Beispiel hierfür ist die Orgel der Hoffnungskirche Dresden-Löbtau.
Regal

Eine kleine, mit wenig Aufwand transportable Orgel, die ausschließlich über Zungenstimmen verfügt. Man macht sich dabei die bei Zungenstimmen mögliche sehr kompakte Bauweise auch tiefer "Pfeifen" zunutze. Wegen des charakteristischen Klanges wurden sie auch Schnarrwerk genannt. Es gibt auch Instrumente, die größenmäßig in den Bereich der Kleinorgel reichen, die Bezeichnungen sind hier nicht einheitlich. Siehe auch Positiv.

 

Register ● Bei der Orgel: Pfeifenreihe der gleichen Klangfarbe mit je einer Pfeife pro Taste (gemischte Register und Sonderbauformen ausgenommen). Die verschiedenen Pfeifenreihen kann man zur Erzielung unterschiedlichster Klangfarben beliebig kombinieren und spricht dann von Registrierung. Die Gesamtheit der Register einer Orgel nennt man Disposition.
• Beim Cembalo: Verschiedene analog zur Orgel separat schaltbare Saitenbezüge und Zusatzzüge wie zum Beispiel Lautenzug. Spinette verfügen in der Regel nur über einen Saitenbezug, sind aber manchmal mit einem Lautenzug ausgestattet.
● Beim Akkordeon: Akkordeons verfügen (im Diskant) meist über drei bis fünf, selten sechs, Stimmreihen, die den Pfeifenreihen der Orgel entsprechen. Durch eine Mechanik mit Schaltern können alle (oder die meisten) möglichen Kombinationen dieser Reihen mit einem Tastendruck geschaltet werden, was sehr schnelle Klangfarbenwechsel ermöglicht (entspricht festen Kombinationen bei der Orgel). Diese voreingestellten Stimmenzusammenstellungen werden beim Akkordeon Register genannt.
● Bei Sängern und manchen Instrumenten werden verschiedene Tonlagenbereiche ebenfalls als Register bezeichnet.
Schnarrwerk Siehe Regal
Spinett Das Spinett ist eine fünfeckige Kleinform des Cembalos, vergleichbar dem Verhältnis Flügel - Klavier. Es verfügt normalerweise nur über einen Saitenbezug (beim Cembalo oft mehrere), manchmal ist ein Lautenzug vorhanden, dieser oft geteilt ungefähr im Bereich c1. Vorteile sind die geringe Größe und wenig Platzbedarf, vergleichsweise geringes Gewicht und dadurch einfacher Transport. Größter Nachteil sind klangliche Schwächen speziell im Bassbereich durch die bauartbedingt ungünstigen Saitenmensuren. Die jüngere Geschichte ist vergleichbar mit der des Cembalos: Nachdem es im 19. Jahrhundert fast vergessen war, erlebte es parallel zum Cembalo im 20. Jahrhundert eine facettenreiche Wiedergeburt. Heute werden Varianten bevorzugt, die sich komplett oder sehr eng an historische Vorbilder anlehnen. Dieser Historismus ist teilweise fragwürdig, da er unserer heutigen Musizierpraxis und selbst typischer klassischer Literatur oft nicht gerecht wird. Auch finden sich Mischformen, zum Beispiel historisierende Instrumente mit modernen Materialien. Dem Spinett ähnlich ist das in der Blütezeit besonders in England verbreitete Virginal in rechteckiger Form.
Truhenorgel Siehe Positiv
Tutti

Bedeutet "Alle", siehe auch Kombination.

In Partituren manchmal als Notations-"Rationalisierung" verwendet, um Solostimmen vom Orchester abzusetzen (zum Beispiel Ritornell - Solo).

● Bei der Orgel eine Spielhilfe, die durch die Bedienung eines einzigen Bedienelementes (Drücker, Wippe, Fußtritt usw.) alle Register und manchmal ausgewählte oder alle Koppeln (sonstige Spielhilfen meist nicht) einschaltet. Dieser ist besonders bei Orgeln seit dem 19. Jahrhundert verbreitet, da die pneumatische Traktur und später die elektrische (Register-) dies vergleichsweise einfach ermöglichten. Besonders bei großen Instrumenten sollte das Tutti mit Bedacht eingesetzt werden, da sich, besonders wenn viele Koppeln eingebunden sind, schnell ein sehr dicker Klang ergibt. Das Tutti ist nicht zu verwechseln mit "Organo Pleno" oder "Volles Werk", worunter je nach den Möglichkeiten des Instrumentes im allgemeinen ein voller Prinzipalchor mit Klangkronen und eventuell Zungen zu verstehen ist. Jedoch ersetzt diese Konvention nicht die letztendliche Entscheidung des Ohres. Starre Regeln hierbei sind in Anbetracht der individuellen Eigenschaften jedes Instrumentes nicht sinnvoll.

Vorbereitung siehe Kombination
Zunge (Tonerzeugung) Bei der Orgel gibt es neben den meist in der Mehrzahl vorhandenen Labialpfeifen Zungenstimmen, auch Linguale genannt. Sie stellen - auch in geringer Zahl, selbst eine einzige - eine erhebliche Bereicherung der klanglichen Möglichkeiten eines Instrumentes dar. Die Zunge ist ein an einer Schmalseite befestigtes, an den anderen Seiten frei bewegliches Metallplättchen, das im Luftstrom schwingt und dadurch den Ton erzeugt, der Schallbecher, grob vergleichbar mit dem Schallstück einer Trompete etwa, beeinflusst Klangfarbe und Lautstärke. Bei der Orgel handelt es sich in der Regel um aufschlagende Zungen, die vom Befestigungspunkt nur in einer Richtung schwingen. Durchschlagende Zungen, die in beide Richtungen schwingen wie eine Fahne im Wind, finden sich bei der Mundharmonika, den Harmonikainstrumenten (Akkordeon, Bandoneon, Melodika u.a.) und beim Harmonium. Die genannten Instrumente werden, von Ausnahmen abgesehen, ausschließlich mit durchschlagenden Zungen gebaut. Bei der Orgel treten durchschladende Zungen selten auf, sind, wenn, dann meist aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. In der Renaissance, im Barock und auch heute wieder gab und gibt es kleine transportable Orgeln, die nur über Zungenstimmen verfügen. Diese nennt man Regal (siehe dort) oder auch Schnarrwerk wegen des charakteristischen schnarrenden Klanges. Leider hält sich hartnäckig der Mythos, dass Zungenstimmen ständig verstimmt seien. Zwar sind sie bezüglich der Stimmhaltung etwas empfindlicher als die Labiale, letztere ändern ihre Stimmung aber ständig durch Temperatureinflüsse, allerdings gleichmäßig, so dass es sinnvoller ist, die wenigen Zungenstimmen anzupassen. Ein Bild mit den Schallbechern einer Posaune 16' findest Du hier: Die Orgel in der Kirche zur Heiligen Dreieinigkeit in Schmiedeberg / Osterzgebirge

 

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